SCHANDMASKEN
Deutschsprachiges Europa, 1600-1800.
Eisenblech.

Schandmasken gab es in vielen verschiedenen – oftmals künstlerischen – Formen in der Zeit von etwa 1500 – 1800. Sie dienten der Bestrafung derjenigen, die verbal gegen die herrschenden Konventionen und / oder allgemeinen Zustände (kritische Äußerungen gegen über der männlichen Machtstellung und Arroganz) verstießen.
Im Laufe von vier Jahrhunderten wurden Millionen Frauen, die als „zänkisch“ galten, mit diesen Masken gedemütigt und gefoltert. Die Kirche strafte darüber hinaus noch viele kleinere Vergehen mit den Schandmasken. Die Mehrheit der Opfer waren Frauen, da die Kirche das Prinzip „mulier taceat in ecclesia“ („die Frau hat in der Kirche zu schweigen“) anwandte. „Kirche“ ist in diesem Zusammenhang als herrschende klerikale säkulare Hierarchie zu verstehen, die misogyn konstituiert war. Der Sinn lautet somit: die Frau hat in Anwesenheit des Mannes zu schweigen. Die Schandmasken waren beliebtes Mittel um diese Vorstellung durchzusetzen. Viele Masken verfügten innen über eiserne Verlängerungen, die in den Mund des Opfers eingeführt wurden und von denen manche mit scharfen Dornen und Schneiden die Zunge nachhaltig verletzten.
Die Masken tragenden Opfer wurden an Markplätzen an den Pranger gestellt und wurden der Volksmenge ausgeliefert. Schmerzhafte Schläge, überschüttet mit Urin und Fäkalien sowie ernsthafte und manchmal auch tödliche Wunden – vor allem im Brust- und Genitalbereich – waren ihr Schicksal.